Transferstarke Trainings designen - Interview mit Trainings-Design-Expertin Anna Langheiter


Header Anna Langheiter - Expertin für Trainingsdesign - Institut für Transferwirksamkeit

Anna Langheiter ist Expertin für Trainingsdesign und international gefragte Trainerin. Ihre Weiterbildung zum Trainingsdesigner wurde mit dem europäischen Trainingspreis in Gold ausgezeichnet. 
Im Vergleich zu vielen anderen TrainerInnenfortbildungen ist Transfer in Anna Langheiters Ausbildung nicht nur ein Randthema, sondern wird gelebt und gefordert.


Im Interview verrät uns die sympathische Wahl-Wienerin, was ein transferorientiertes Trainingsdesign ausmacht, welchen Einfluss der Trainer auf Transfer (nicht) nehmen kann und wie Auftraggeber transferstarke TrainerInnen am besten erkennen.

Transfer – ein hartnäckiges Problem

Transfer als Ziel und Anspruch betrieblicher Weiterbildung ist ja seit Jahrzehnten ein Burning Issue. Jeder will es, jeder bezeichnet sich als transferorientiert und trotzdem hält sich das Transferproblem hartnäckig. Was ist deine Erfahrung, warum ist das so?

Anna Langheiter: Viele Trainer, die sich als transferorientiert bezeichnen, sind es nicht. Denn die einzig wahre Transferorientierung zeigt sich erst nach dem Seminar. Und das ist schon das Problem: Trainer und Unternehmen wissen häufig nicht, was Transfer genau bedeutet und ob er stattfindet oder nicht: Denn nach dem Seminar ist der Trainer weg und es werden keine Ergebnisse gemessen.

„Viele Trainer, die sich als transferorientiert bezeichnen, sind es nicht.“

Weiters gibt es in Unternehmen bei Seminaren langjährige Routinen, nämlich die Routine, keinen echten Wert auf Transfer zu legen. Es gilt die Ansicht „das haben wir schon immer so gemacht“. Und ich erlebe es als eine große Herausforderung, hier ein Umdenken zu erreichen. Gerade bei Führungskräften mache ich immer mal wieder die Erfahrung, dass diese vor wirklichem Transfer häufig zurückschrecken. Denn das bedeutet Arbeit für sie. Sie müssen selbst offen sein für das neu Gelernte und auch beim Mitarbeiter dranbleiben.

Die besondere Herausforderung beim Thema Transfer ist, dass Firmen, Trainer und die Teilnehmer selbst sich häufig Ihrer Rolle beim Transfer nicht bewusst sind. Transfer kostet Zeit und Geld und braucht vor allem einen Change im Mindset!

Ist Transfer Trainersache?

Was kann ein Trainer in Punkto Transfer leisten? Wie groß ist seine Verantwortung, sein Einfluss und wo hört er auf? Anna Langheiter: Als Trainer sehe ich es als meine Verantwortung an, Transfer anzustoßen und zu begleiten. Trainings ohne Transfer – wozu soll ich dann trainieren? Transfer anstoßen und begleiten ist nicht EINE unserer Aufgaben, es ist unsere Hauptaufgabe.

Als Trainer hat man aus meiner Sicht die Verantwortung, den Auftraggeber auf die für den Transfer notwendigen Rahmenbedingungen aufmerksam zu machen. Die 12 Stellhebel der Transferwirksamkeit sind hier ein gutes Modell um die Diskussion mit dem Auftraggeber anzuregen und Verantwortungen klar zu machen.

Ich als Trainer kann im Training das UmDENKEN anstoßen, und viel wichtiger, auch Rahmenbedingungen anregen und und auch selbst im Nachgang das UmSETZEN begleiten.

Bei meinen offenen Seminaren heißt das: Nach dem Seminar halte ich mit meinen Teilnehmern Kontakt. Bei geschlossenen Seminaren heißt Transferorientierung für mich, die Firma dazu zu bewegen, den Transfer danach selbst zu begleiten. Denn liegt es letztendlich natürlich beim Unternehmen, ob es den Transfer lebt. In meinen Trainings stelle ich die Weichen und gebe mein Bestes dafür.

„Meine Verantwortung als Trainer ist es, die Weichen für Transfer zu stellen und die Auftraggeber auf die notwendigen Rahmenbedingungen hinzuweisen“

Transferorientiert trainieren – wie geht das?

Lass uns in deine geheime Schatzkiste blicken. Was kann ein Trainer konkret tun, um ein Training transferstark zu gestalten? Verrate uns deine aktuellen Lieblingstools!

Anna Langheiter: Im Training arbeite ich aktuell gerne mit Emotion Cards. Man überlegt sich die drei wichtigsten Lernerfahrungen, die man im Alltag anders machen will, sucht sich dazu eine passende Bildkarte und schreibt die drei Punkte auf. Mit dem passenden Bild behalten sich die Teilnehmer diese Karte garantiert. Die stehen dann auf den Schreibtischen und jedesmal beim Draufschauen erinnert sich der Teilnehmer an das Training und den gewünschten Transfer.

Ich nutze auch gern die Transfer-App „Skill Hero“, mit der die Teilnehmer auch nach dem Training mit mir in Kontakt bleiben und von den Weiterentwicklungen berichten können. Das muss man allerdings geschickt im Training einfädeln, damit die Teilnehmer das auch tatsächlich noch Monate nach dem Training nutzen.

Gut gebucht auch ohne Transfer

Transferorientierung im Training zu leben ist ja für TrainerInnen oft mit Mehraufwand verbunden. Lohnt sich dieser Aufwand? Speziell, wenn der Trainer auch ohne große Transfermaßnahmen gut gebucht ist? 


Anna Langheiter: Das hängt von der Wertewelt des Trainers ab. Bei mir ist der Lernende immer im Fokus, deshalb kläre ich vor dem Training immer, ob die Teilnehmenden zeitnah eine Anwendungsmöglichkeit für das Gelernte haben wie etwa ein Projekt. Beim Auftraggeber frage ich ganz provokant und direkt: Soll das Seminar nur Spaß machen oder wirklich etwas bringen? Dann stelle ich mich genau auf das ein, was der Auftraggeber möchte.

„Transferwirksamkeit ist eine Frage des Anspruchs. Ich frage den Auftraggeber: Soll das Seminar nur Spaß machen oder wirklich etwas bringen?“

Wenn mein Auftraggeber den Hauptfokus auf Spaß legt, liefere ich natürlich auch das. Es ist ja nicht ausgeschlossen, dass ein Auftraggeber, der mit einem Trainer ein super spaßiges Training hatte, dann auch noch ein stärker transferorientiertes Training nachbucht. Damit werde ich meinem eigenen Anspruch gerecht.

Wenn ein Auftraggeber wirklich etwas ändern möchte, dann mache ich auch bewusst, dass das nicht in meinen Händen liegt: Ob dann später 7% oder 50% Transfer stattfinden, liegt sehr stark in den Händen des Unternehmens. Der Aufwand, die Unternehmen auf den Pfad des Transfers zu bringen, lohnt sich.

Wie Sie transferorientierte Trainer erkennen

Trainer müssen sich gut verkaufen können und einige können das ausgesprochen gut. Woran erkennen Auftraggeber und Personalentwickler, ob der Trainer, der vor Ihnen sitzt Transfer tatsächlich lebt oder es eher als verkaufsförderndes Schlagwort verwendet? 


Anna Langheiter: Das Problem ist, dass es keine klaren Maßstäbe gibt, was Tr